Poliomyelitis (Kinderlhmung)

Allgemeines
Polio (Kinderlähmung) ist eine hoch ansteckende akute Infektionskrankheit mit dem Polio-Virus. Anders als der deutsche Begriff vermuten lässt, können nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene erkranken.

In einigen Ländern Afrikas und Asiens mit niedrigem Hygienestandard und hoher Bevölkerungsdichte ist die Kinderlähmung nach wie vor verbreitet. Somit besteht die Gefahr, dass Reisende ohne entsprechenden Impfschutz sich in diesen Ländern infizieren und somit ebenso wie Einwanderer das Virus erneut nach Deutschland einschleppen. Daher ist es weiterhin wichtig, dass nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene über einen ausreichenden Impfschutz verfügen.

Krankheitsbild
Das Virus wird manchmal über den Speichel als Tröpfcheninfektion (z.B. beim Husten oder Niesen) übertragen. Etwa 3 Tage nach der Infektion wird das Virus dann über den Stuhl ausgeschieden und über verschmutztes Wasser, verunreinigte Nahrung oder Getränke von anderen Menschen aufgenommen (fäkal-orale Infektion). Insgesamt begünstigen schlechte hygienische Zustände die Ausbreitung der Erkrankung.

Aus dem Darm gelangen die Viren über das Blut in das zentrale Nervensystem. Dort führt es zu Nervenschädigungen. In der Folge kommt es zu Entzündungsreaktionen, die Lähmungen und Schwund bestimmter Muskelgruppen zur Folge haben.

Die Lähmungserscheinungen sind meistens asymmetrisch und betreffen Bein, Arm, Bauch, Brustkorb oder die Augenmuskeln. Selten kommt es zu Sprach-, Kau-, oder Schluckstörungen und zentraler Atemlähmung.

Eine Erkrankung kann bis zu 2 Jahre andauern. Ein Viertel der Patienten behalten leichte, ein Viertel schwere Schädigungen. Dazu zählen vor allem bleibende Lähmungen, Gelenkfehlstellungen, Wirbelsäulenverschiebungen und Osteoporose. Die Todesrate liegt bei 2 bis 20%.

Therapie
Bei einer Polioerkrankung können lediglich die Beschwerden gelindert werden, indem der Patient strenge Bettruhe einhält und Schmerzmittel erhält. Zudem sind intensive physiotherapeutische Maßnahmen notwendig. Atemlähmungen erfordern intensivmedizinische Therapie mit maschineller Beatmung.

Impfschutz
Der einzig wirksame Schutz gegen Poliomyelitis ist eine konsequente Impfung. Eine Grundimmunisierung erfolgt im dritten, vierten, fünften sowie zwischen dem 12. und 15. Lebensmonat. Eine weitere Impfung erfolgt im sechsten und dann noch mal zwischen dem 11. und 18. Lebensjahr.

Die Impfung kann kombiniert werden mit Impfstoffen gegen Diphtherie, Tetanus (Wundstarkrampf), Keuchhusten (Pertussis) , Hib (Haemophilus influenzae Typ b) und Hepatitis B. Hierfür stehen sehr gut verträgliche Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung.

Bei Reisen in Länder mit Infektionsrisiko oder Kontakt mit Poliomyelitis-Kranken wird Erwachsenen eine weitere Auffrischung empfohlen, wenn die letzte Impfung länger als 10 Jahre zurückliegt oder der Impfschutz nicht vollständig ausgeführt wurde.